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Um eine Art Reiseführer
zu schreiben, reist der griechische Gelehrte Antiparos von Sidon
(2. Jh. v. Chr.) zu den seiner Meinung nach schönsten, größten
und technisch erstaunlichsten Bauwerke seiner Zeit. Er nimmt
die Handelswege der damals bekannten Welt im Mittelmeerraum und
in Vorderasien und hält in seinem Reiseführer sieben Weltwunder
fest:
Abweichend davon werden in anderen Niederschriften auch der Leuchtturm
von Alexandria und der Zeus-Altar von Pergamon dazugezählt.
In der Antike gilt die Zahl „Sieben“ als die Vollkommene.
Schon der griechische Mathematiker Phytagoras ehrt diese Zahl
im 6. Jh. v. Chr., weil sie die Summe aus Quadrat und Dreieck
bildet. Die Sieben steht ebenfalls für die Familie (Vater,
Mutter und Kind), also drei Personen plus den vier Himmelsrichtungen.
Schönheit, Größe und technische Raffinesse waren
die Kriterien der Antike und für Antipatros die sieben Weltwunder
als solche zu benennen. Einzigartig und ein bisschen geheimnisvoll
sollten die Bauwerke für die schönheitstrunkenen Griechen
sein.
Zwei der sieben Weltwunder in Griechenland:
Der Koloss von Rhodos
Zum Dank an Gott Helios für ihren Sieg wurde die
Bronzestatue von den Eroberern Rhodos’ erbaut. Obwohl sie das jüngste
Weltwunder ist, ist nicht viel darüber bekannt. Es wird vermutet,
dass der Koloss direkt am Hafen breitbeinig über der Hafeneinfahrt
gestanden haben soll. Nach statischen Berechnungen kann dies aber nicht
der Fall gewesen sein. Sie muss mit geschlossenen Beinen und einem Arm
nach oben - ähnlich wie in der Pose der amerikanischen Freiheitsstatue
- aufgestellt worden sein. |
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Wahrscheinlich wurde der Koloss von Rhodos’ durch ein Erdbeben
zerstört. In wissenschaftlichen Untersuchungen fand man heraus,
dass die Griechen damals auch kleinere Bronzestatuen nicht aus
einem Guss hergestellt haben. Geschickt wurden die Nähte nach
außen hin „unsichtbar“ gemacht, jedoch für
Statuen solcher Größe ein K.-o.-Kriterium. Die genaue
Größe wurde nie in irgendeiner Weise festgehalten. Sie
muss aber doch sehr groß gewesen sein, denn die Figur war
vom Meer sichtbar und hat die Stadt überragt, und sonst hätte
Niemand diese Statue als etwas Besonderes angesehen und den sieben
Weltwundern zugeordnet. Denn durch besondere Schönheit ist
der Koloss wohl nicht aufgefallen. Manche vermuten, dass er auch
mitten in der Stadt gestanden habe. Ein Marmorfundament direkt
vor Ort wurde nirgends gefunden. Dafür hat man Marmorquader
in anderen Gebäuden entdeckt, deren Teile, wenn man sie zusammen
rechnet einen Durchmesser von 17 Metern ergeben - eine Größe,
die auch für den Sockel des Koloss' angenommen wird.
Der Zeusstatue in Olympia
Zwei Jahre nach seiner Fertigstellung des
Parthenon-Tempels wurde der Grieche Phidias 430 v. Chr.
beauftragt, eine 12 Meter hohe sitzende Zeusstatue aus
Gold für die Spiele in Olympia anzufertigen. Das Kunstwerk
wurde aus 200 kg Gold gefertigt und mit vielen Edelsteinen
bestückt. Es war keine leichte Aufgabe für Phidias,
doch letztendlich gelang ihm die Statue dermaßen
gut, dass sie berühmt wurde. Ca. 80 Meter entfernt
von der Arena in Olympia wurde die Statue im Zeustempel
aufgestellt. Die Athleten brachten ihrem Gott vor den Wettkämpfen
Opfer und leisteten den Eid der Fairness.
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Während der Olympischen Spiele (von 776 v. Chr. bis 394 n.
Chr.), die alle vier Jahre veranstaltet wurden, ruhten die Waffen.
Nur Männer nahmen an den Spielen teil, die Frauen durften
weder aktiv noch passiv als Zuschauerinnen dabei sein, da die Männer
nackt kämpften. In den Disziplinen Diskuswurf, Laufen, Speerwurf,
Ringen und Springen wurden die besten Athleten ermitteln. Der Sieger
erhielt einen Lorbeerkranz. Nachdem Kaiser Theodosius die Spiele
verbot, wurde 426 n. Chr. auch der Tempel geschlossen. Was mit
der Statue passierte, ist nicht bekannt. Oft aber wurden Steine,
Marmor und Gold abgebaut und für andere Kunstwerke verwendet.
Die Statue des Zeus wurde hauptsächlich so berühmt wegen
seiner Annerkennung als gütige Gottvater bei den Griechen.
Es wird vermutet, dass das Gesicht dem von Alexander dem Großen ähnlich
gewesen sein soll. Alexander galt noch Jahrhunderte lang im Mittelmeerraum
als der sagenumwobene jungendliche und schöne Herrscher
und wurde gern als Vorbild genommen.
Dem mürrischen und eingenbrödlerischen Phidias wurde
nachgesagt, dass er Gold und Edelsteine unterschlagen habe -
vielleicht nur ein Gerücht, das Neider in die Welt setzten.
Er starb vereinsamt und als Außenseiter in einem Kerker.
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