| |
Die griechische Baukunst oder Architektur ist eine Widerspiegelung der geschichtlichen Vorgänge der griechischen Antike (lateinisch antiquus, alt, altertümlich). Es ist die Epoche des Altertums im Mittelmeerraum von etwa 800 v. Chr. bis 500 n. Chr. Sie unterscheidet sich durch gemeinsame und durchgängige kulturelle Traditionen von vorhergehenden und nachfolgenden Epochen. Die Antike ist im engeren Sinne die Geschichte des klassischen Griechenland, des Hellenismus und des Römischen Reichs. In Korrelation mit der für das antike Griechenland typischen Polis ist sie in erster Linie eine städtische Architektur - also Ausdruck einer theoretisch wie faktisch begrenzten politischen Gemeinschaft.
Es ist kaum verwunderlich, dass die ersten Bauten bzw. Großbauten Tempel oder Tempelanlagen darstellten, da die Religion die Geschlossenheit der Gemeinschaft, der Polis, ein antiker griechischer Stadtstaat (Plural: póleis) und auch das verbindende Element über die Polis hinaus zu anderen Póleis und somit zu einem Wir-Gefühl aller Griechen gewährte.
Die ersten spärlichen Reste der griechischen Baukunst stammen aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. Es sind meist kleine Tempel, deren tragende Elemente ursprünglich aus Holz, später aus Stein errichtet wurden.
Große Tempel und Tempelanlagen wurden erst zu Beginn des 6. Jahrhunderts v. Chr. wurden dann auch vermehrt gebaut. Der dorische Stil wurde zunächst im Westen, aber vor allem auf der Peloponnes entwickelt, bald jedoch folgte aus dem Osten her der etwas feinere, zierlichere ionische Baustil, woraus sich später die korinthische Ordnung entwickelte.
Die Säulenordnung
Die Systeme von Formen und Proportionen bei Säulen und Gebälk werden als Säulenordnungen bezeichnet. Danach wurden in der antiken Baukunst Griechenlands und des Römischen Reiches Tempel und Repräsentationsbauten errichtet. Man unterschied vorerst zwischen zwei Säulenordnungen, seit Vitruv drei Hauptordnungen und einige Nebenordnungen, die aus ihnen hervorgingen. Sie waren auch kanonisch für
weite Teile der Architektur von der Renaissance bis ins 19. Jahrhundert.

Antike
Säulenordnungen. Quelle: Wilhelm Lübke, Max Semrau: Grundriß der Kunstgeschichte.
Paul Neff Verlag, Esslingen, 14. Auflage 1908
Dorische, inonische und korithische Säulenordnung
(Poseidontempel in Paestum, Erechtheion in Athen und Monument des Lysikrates in Athen)
Dorische Ordnung
Die dorische Ordnung ist die älteste der griechischen Säulenordnungen, entstanden im 8. Jahrhundert v. Chr. auf dem Peloponnes, wo sich die Dorier (auch Dorer) aus Norden kommend niederließen. Der dorische Baustil zeichnet sich durch mächtige, grobe Elemente und Formen aus, die diesem Volk zugeschriebenen Charakter eines robusten Kriegervolkes entspricht. In der griechischen Baukunst kamen Gewölbe höchst selten vor, so dass den Säulen im wahrsten Sinne des Wortes eine tragende Funktion zukam und an ihnen auch am einfachsten die jeweiligen Besonderheiten der griechischen Baustile erkundet werden können. Schon damals wurde der Perypteros mit dieser Art von Säulen erbaut. In der dorischen Ordnung steht der sich nach oben verjüngende, mit 16 bis 20 Kanneluren, die ringsum vertikal um den Säulenschaft gegliedert sind, ohne besondere Basis auf dem Stylobat (Unterbau) über dem dreistufigen Unterbau (Krepis). Charakteristisch ist die Entasis (Schwellung) der Säulen, die ebenso wie die oft angewendete Kurvatur des Stufenunterbaus dem Bau die kalte Strenge nimmt. Auch der Architrav steigt kaum merklich, aber optisch wirksam zur Mitte leicht an. Der Schaft trägt am oberen Ende mindestens eine waagerecht umlaufende Einkerbung und trägt ein dreigeteiltes Kapitell, bestehend aus dem unauffälligen, ebenfalls kannelierten Hals (Hypotrachelion), dem Echinus, einem wulstförmigen Kissen und dem Abakus, der abschließenden quadratischen Deckplatte, auf der das Gebälk ruht. Ähnlich wie die Entasis ist die Ausbildung des Echinus von landschaftlichen oder zeitlichen Stilelementen geprägt. Das Gebälk ist seinerseits meist zweifach geteilt in Architrav oder Epistyl aus glatten Steinbalken und einen Fries, der mit Triglyphen (stilisierten Enden hölzerner Deckenbalken) und den skulptierten Metopen (medaillonförmigen Reliefs) verziert ist. Deren oberer Abschluss wird durch eine Kopfleiste gebildet. Die Triglyphe wird von drei Schlitzen als skandierende Vertikalelemente gegliedert. Zwischen und unter den Triglyphen befinden sich die tropfenförmigen Guttae. Das Giebeldreieck (Tympanon) nimmt meist die Komposition der Giebelfiguren auf. Metopen und Giebelfelder sind die Elemente, welche den Bildschmuck tragen, gelegentlich auch die Pronaosfront. Darüber liegt der Giebel mit dem Tympanon, dem Giebeldreieck. Dies erinnert an den Ursprung der griechischen Tempelarchitektur, dem alten Holztempel, der quasi in Stein imitiert wurde: Die Triglyphen markierten die Schnittfläche der ursprünglichen Holzbalken, die Tropfleisten bilden die Zapfen nach, mit denen die Balkenkonstruktion zusammen gehalten wurden. Dadurch, dass die Säulen leicht nach innen geneigt und die Ecksäulen etwas verstärkt sind, erhält der Tempel seine unverwechselbare Leichtigkeit. Der römische Ingenieur und Baumeister Vitruv verglich den dorischen Baustil mit der 'strengen Schönheit des männlichen Körpers' und stellte ihm den ionischen Baustil als 'Ausdruck einer grazilen weiblichen Schönheit' gegenüber.

Quelle: H. Luckenbach, Kunst und Geschichte, München/ Berlin 1920. Diana 17:48, 16. Dez 2003 (CET)
Schatzhaus der Athener in Delphi
Ionische Ordnung
Die ionische Ordnung hat schlankere Säulen und verjüngen sich nur leicht in Gegensatz zu den dorischen. Benannt wurde er nach den Ioniern, einem Volk Griechenlands. Nachdem die Dorer in deren Gebiet eingedrungen waren, wichen die Ionier hauptsächlich nach Osten, auf die Inseln der Ägäis und an die Küsten Klein-Asiens aus. Ebenso konnten sie sich im Gebiet um Athen gegen die Dorer behaupten, wo dann der Ionische Baustil beim griechischen Tempelbau vorherrschte. Auch wenn der Aufbau dem dorischen in den Grundzügen entspricht, so unterscheidet sich die Ionische Ordnung in einigen Merkmalen. Die Säule erhebt sich hier direkt von der obersten Stufe (Stylobat), und anstelle der dreistufigen Treppe (Krepidoma) besitzt diese eine Basis (Plinthe), meist bestehend aus einem Wulst, einer Hohlkehle (Tori und Trochili) und einem zweiten, kleineren Wulst. Auch unterscheidet sich die Kannelierung der Säule: Die 20 bis 24 von Stegen getrennten Kanneluren sind tiefer und enden kurz vor Säulenfuß und -kopf in einer Rundung. Es wird auch Stegkannelierung bzw. Stumpfkannelierung genannt.
Das Kapitell ist komplexer als das dorische: Der Echinus ist zierlicher und als Eierstab gebildet, darunter befindet sich noch ein schmaler Perlstab. Oberhalb des Echinus liegt das typische Pulvinium mit seitlichen Voluten (lat. volutum = das Gerollte), das eine doppelte Spiralform bildet. Der Abakus ist flach und kleiner als das Pulvinium. Das Gebälk ist zweigeteilt in den Epistyl mit drei leicht vorkragenden Stufen (Fasciae) und ein Gesims mit Zahnschnitt oder einen Fries mit Reliefs. Die ionische Säule ist für die Forder- oder Frontalansicht konzipiert, im Gegensatz zu den dorischen, die für die Sicht aus jeder Richtung gebaut wurden. Der Architrav des ionischen Tempels ist nicht glatt, sondern durch sogenannte Fascien dreifach horizontal gegliedert. Die Frieszone bildet ein einziges, zusammenhängendes, durchlaufendes, reliefgeschmücktes Band. Der römische Architekturtheoretiker Vitruv beschreibt, dass die dorische Säule mit ihrer gespannten Kraft dem männlichen, die ionische mit ihrem geschmeidigen Kapitell dem weiblichen Körper entspricht.
Es gibt eine Abwandlung des ionischen Kapitells und zwar das äolische, bei dem direkt zwei Voluten senkrecht aus dem Schaft aufwachsen. Inoffiziell wird sie die äolische "Ordnung" genannt. Mit Hilfe einer stilisierten Palmette wird der Raum zwischen den beiden Voluten gefüllt. Unterhalb der Voluten befindet sich noch ein Blattring. Ansonsten sind die Unterschiede zwischen der äolischen und der ionischen nur marginal. Das äolische Kapitell wird von einigen Wissenschaftlern als Ur-Variante des ionischen Kapitells angesehen. Aber ein Kapitell nach der ionischen Ordnung wäre auch ohne den äolischen Vorläufer denkbar, beide formen sind ägyptisch-asiatisch beeinflusst. Somit ist das äolische Kapitell nur eine Variante des bekannten Palmetten-Kapitells, welches die Minoer damals aus Ägypten importierten und im 7. und 6. JH. v. Chr. erneut von den Griechen aus dem Orient mitgebracht wurde.
Ionische Säulen aus Marmorguß
 Beschreibung: Ionische Säulen aus Marmorguß ab 119€
Korynthische Ordnung
Die korinthische Ordnung ist eine hellenistische Ableitung aus der ionischen und wurde gegen Ende des 5. Jahrhunderts entwickelt. Noch schlanker und höher sind die Säulen und unter den floralen Voluten des Kapitells befinden sich zusätzlich ein aus zwei zu einem Kelch geformte Akanthusblatt-Kränze (Bärenklau). Die Hälfte der 16 Blätter hören auf der Hälfte der Säule auf, die übrigen 8 werden höher geführt. Daraus gehen Volutenpaare hervor, diese treffen sich an den Ecken bzw. in der Mitte einer jeden Ansichtsfläche. Die Abdeckplatte wird von den Eckvoluten getragen, deren Kante nach Innen geschwungen ist. (Das römische Kompositkapitell ist noch reicher verziert und hat größere Voluten.)
Es gibt eine rührselige Geschichte zur Entstehung des korinthischen Kapitells: Eine jungfräuliche Korintherin erkrankte und starb. Ihre alte Amme sammelte in einem Korb vor Trauer und Schmerz die von der toten Jungfrau geliebten Spielsachen aus der Kindheit zusammen, und stellte diesen auf die Grabstätte. Damit durch die Witterung diese nicht so schnell kaputt gehen, deckte die fürsorgliche Amme den Korb mit einer Steinplatte ab. Wie es der Zufall so will, stand der Korb aber direkt über einer Arkanthuspflanze, so dass deren Triebe an den Korbseiten emporwuchsen. Der Maler und Bildhauer Kallimachos aus dem 5. Jh. V. Chr. sah das, und es inspirierte ihn beim Gestalten des korinthischen Kapitells.
Das Gebälk ist dreigeteilt in Epistyl, Relieffries und Zahnschnitt. Neben den rechteckigen Formen entstehen auch Rundtempel, wie z.B. der Rundtempel der Athena Pronaia auf der Marmariaterrasse in Delphi. Die Cella ist dabei zylindrisch und wird von einer regelmäßigen Säulenreihe umgeben. Manchmal wurde auch Kalkstein statt Marmor für den Bau verwendet, und dann wurde alles mit einer glättenden Stuckschicht überzogen. Der naturfarbene Stein wurde fast immer bemalt, wobei die Farben weiß, blau und rot vorherrschten.
Eine etruskische Variante der dorischen Ordnung ist die toskanische Ordnung. Der Säulenschaft ist überwiegend ohne Kanneluren und steht auf einer Basis. Früher war das Gebälk aus Holz, später aus Stein.
Als Kompositordnung wird die Fassadengestaltung dreistöckiger Gebäude mit vorgeblendeten Säulen, Halbsäulen oder Pilastern bezeichnet. Alle drei Ordnungen werden aufgegriffen: im Erdgeschoss ist die Dorische, im ersten Stock die Ionische und im zweiten Stock die Korithische Ordnung. Die Kompositordnung wurde in der römischen Architektur entwickelt und in der italienischen Renaissance wieder aufgegriffen. Teilweise wird auch die korinthische Ordnung bei Verwendung des Kompostkapitells so genannt.
Korinthische Säulen aus Marmorguß
 Beschreibung: Korinthische Säulen aus Marmorguß 70 cm Hoch nur 119€
|